Ich fühlte mich wie in das Jahr 1900 zurück versetzt als ich die Bergbauern ihre Wiesen pfeiffend mit der Sense mähen sah, die Frauen sammelten das Gras mit groben Rechen ein und hängten es über die Heuschober. Eine Bergidylle wie aus dem Bilderbuch und der Duft nach frisch gemähten Gras und Bergblumen verzauberte uns komplett und lies die Zeit für einen Moment stillstehen. 

 

Es war ein heißer Sommertag im Juli als wir uns aufmachten von Krün nach Mittenwald in dieser einzigartige Landschaft mit ihren unzähligen Buckeln und Heuhütten zu wandern...

 


 

Wir starteten unsere Tour am Tennsee. Da es sich bei dem Tennsee um ein Biotop handelt und dieser mal mehr und mal weniger Wasser aufweist, war aufgrund der anhaltenden Trockenheit fast nur noch eine Pfütze vom See übrig. Aber nichts desto trotz mußte ich hier zu Beginn unserer Tour bereits meinen ersten Stop einlegen, denn die Aussicht von dort ist einfach phantastisch.

 

 

Als wir am Alpen-Caravanpark Tennsee vorbei gingen und die leichte Anhöhe in den schattenspendenden Wald erklommen hatten, wußte ich, daß dieser Tage eine wirklich heiße und atemberaubende Tour nach Mittenwald für uns bereit halten würde.

 

Es duftete verführerisch nach Honig und ich erfreute mich über die ganze Blumen- und Wiesenkräuterpracht welche mir nicht nur ins Auge stach, sondern auch kräftig in die Nase stieg.

 

 

Unser Weg, welcher sehr gut ausgeschildert war, führte uns weiter in die Buckelwiesen hinein. Die Aus- und Einblicke in das Werdenfelser Land zur Linken und in das Karwendel zur Rechten ließen mich staunend als "Hans guck in die Luft" meinen Weg gehen.

 

Ein alter Baumstamm steht kunstvoll beschnitzt in den Buckelwiesen bei Krün und Fotomotive gibt es dort wohin man nur sieht

 

Ich war hier im 7. Himmel, Fotomotive soweit das Auge reichte. Der liebe Gott muß ein Bayer sein - denn der blau-weiße Himmel zu dieser wundervollen Natur war wirklich die Sahnehaube und das Glück eines jeden Fotografen. 

 

Mr. Bergfreak genoß den kühlenden Wiesenboden und ging ziemlich schnell zum Hundewellness in den Grasbuckeln über während ich mich am Bauch robbend über die Wiesen bewegte auf der Jagd nach den perfekten Motiv.

 

Die Wiesen waren voll mit dem duftenden Wiesenschaumkraut welchen man ja eine heilende Wirkung von Rheuma und Schmerzzustände nachsagt. Ich schwebte bereits schon im Schaumkraut-Delirium, denn dieser Duft von den Wiesen war betörend süß und ich schnupperte mit Mr. Bergfreak in den satten Grün um die Wette.

 

Die Almbauern mähten mit der Sense die Wiesen und lächelten uns freundlich entgegen, nein sie lachten mich nicht aus, es waren sicherlich nur sehr freundliche Menschen.

 

Bei diesen Temperaturen war das wirklich harte Knochen- und Handarbeit Heu zu machen. Ich fühlte mich ins Jahr 1900 zurück versetzt, die Männer mähten, die Frauen kratzen das Gras mit groben Rechen zusammen um dieses im Anschluß auf die Heuböcke zum trocknen zu hängen. Genauso solche Bilder hatte ich durch die Erzählungen meiner Oma im Kopf welchen ich stundenlang lauschte und ich mir in meiner Phantasie kunterbunt ausmalte.

 

Ich hätte dem fleißigen Treiben hier noch länger zusehen können, jedoch in der Ferne hörte ich helle Glocken klingen welche bereits die volle Aufmerksamkeit von meinem 4-beinigen Begleiter hatten.

 

Mit einem "Pfiat's  Enk" verabschiedete ich mich von den fleißigen Arbeitern und -innen welche mir zuwinkten und schon ging unser Weg weiter, dem hellen Glockenklang entgegen.

 



An  der "Goas-Alm"

Nach ein paar km kommt man an der bewirschafteten Goas-Alm vorbei und hier war auch der helle Glockenklang zuhause.


Wie schön war das denn? Eine Herde von Goas'n (Ziegen) flitzten über die Wiese und kamen neugierig auf uns zu. Ob die wußten wie schön sie es hier haben? Den ganzen Tag an der frischen Luft, mit sattem Gras und diesem Panorama? Naja, ich denke, das Gras ist für die meckernde Gesellschaft doch das Wichtigste.

 

Glückliche Ziegen bei der Goas-Alm

 

Ich überlegte kurz ob ich hier nicht einen Einkehrschwung machen sollte, durstig genug waren wir. Auch die Brotzeit mit leckerem Ziegenkäse wäre sehr verlockend gewesen, nur ich wußte, das ich dann 100 %-ig nicht mehr in Mittenwald ankommen würde.

 

 

Tapfer widerstanden wir der Versuchung und gingen weiter Richtung Mittenwald.

 

Nach gut 20 Minuten kamen wir an eine Weggabelung wo es links nach Mittenwald über die Buckelwiesen und gerade aus nach Mittenwald über den Schmalensee geht.

 

Ich grinste still in mich hinein denn nun wußte ich, daß es doch noch zumindest ein Teil der Strecke einen Rundweg für uns geben wird.

 

Somit bog ich ab und lief leicht ansteigend den Weg nach Mittenwald weiter über die faszinierenden Buckelwiesen welche einzigartig im Alpenraum sind.

 

Es war später Vormittag und die Sonne brannte erbarmungslos. Es war so richtig heiß und Mr. Bergfreak blickte mich fragend an ob dies wohl wirklich mein ernst sei, in dieser brütenden Hitze weiter zu laufen.

 

Die Wegweiser zeigten mir noch 25 Minuten nach Mittenwald an. Ich beschloß mich mit ihm noch ein bisschen im Schatten der Heuschober zu setzen und die Aussicht auf das umliegende Karwendel zu genießen.

 

Als ich die ersten Häuser von Mittenwald sah, bog ich in den Weg ein welcher mich wieder zurück zum Schmalensee brachte.

 

Der Schmalensee ist für mich faszinierend und keines wegs schmal und klein. Ein wunderschöner See wo sich das Karwendel in seiner vollen Pracht spiegelt. Schon oft stand ich am Ufer des Sees und konnte mich von diesem Spiegelbild nicht satt sehen.

 

Umso mehr freute ich mich, diesmal auf der anderen Uferseite anzukommen und einen völlig anderen Blickwinkel genießen zu dürfen.

 




 

Es war wunderschön hier. Wir waren alleine und ich beschloß gemütlich meine Brotzeit auszupacken und Mr. Bergfreak ein Bad im See zu gönnen. Abkühlung mußte sein und ich weis, für ihn gibt es nichts schöneres als in den kühlen Nass zu baden und die Pfoten zu kühlen.

 


 

Lange saßen wir beide hier am See. Die Zeit verging einfach viel zu schnell und wie ich mich umsah, war es schon weit nach Mittag und mein Blick am Himmel verriet mir, daß sich irgendwas zusammen braute.

 

Nach einiger Überzeugungskunst war mein Lausbub endlich auch dazu bereit den Rückweg zum Tennsee anzutreten. Mit gekühlten Pfoten ging das Laufen doch wieder etwas leichter und ehe wir uns versahen, waren wir wieder an der Goas-Alm angekommen.

 

 

Da es von hier aus nur noch gut 25 Minuten bis zum Tennsee waren, beschloß ich mich nochmals in die kühlenden Wiesen zu setzen und dieses prachtvolle Panorama und den honigsüßen Schaumkrautduft auf mich wirken zu lassen.

 

Als ich so da saß erinnerte mich dieser Anblick an die Seiser Alm in Südtirol. Sanfte Wiesen, unzählige Holzhüttchen und im Hintergrund die bizare Felslandschaft. Oh ja, mein geliebtes Bayern, Du bist schon wirklich ein schönes Fleckchen Erde.

 

Mein treuer Wegbegleiter weicht nicht von meiner Seite

 

Als wir gegen Nachmittag wieder am Tennsee ankamen, grummelte es schon verdächtig am Himmel und das Gewitter lies sicherlich nicht mehr lange auf sich warten.

 

Glücklich und zufrieden blickte ich Mr. Bergfreak an und meinte : "He mein Lauser - wir haben heute alles richtig gemacht!"



Krün - über Buckelwiesen nach Mittenwald - Schmalensee - über Buckelwiesen nach Krün

16 km und 200 hm, Gehzeit : ca. 3,5 Std.

 

Eine aussichtsreiche und mit unzähligen Fotomotiven versehene Genußtour für die ganze Familie.

Es besteht auch die Möglichkeit mit dem Bus von Mittenwald nach Krün zurückzufahren.

 

An heißen Tagen für den Hund ausreichend Wasser mitnehmen da der Weg meist in der Sonne verläuft.


Tags: Schmalensee, Mittenwald, Krün, Tennsee, Buckelwiesen, Karwendel, Wandern mit Hund in Bayern, Garmisch-Partenkirchen

 

 

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